∇·u = 0
Inkompressibilität: Was hineinfließt, fließt hinaus.
Terme schalten
Der einzige nichtlineare Term: Das Feld transportiert sich selbst. Aus — alles wird linear und brav, keine Wirbelstraße.
Erzwingt Inkompressibilität, wirkt nichtlokal. Aus — das Feld wird kompressibel, Quellen und Senken entstehen.
Reibung glättet Geschwindigkeitsunterschiede. Aus — Euler-Gleichung, Wirbel werden immer feiner; gebremst nur noch durch die numerische Diffusion des Gitters.
Antrieb: Einströmung und Rühren. Aus — nichts treibt mehr, die Strömung läuft aus.
ρ ∂u/∂t, die lokale Beschleunigung, bleibt immer an — ohne sie stünde die Zeit still.
Hinweis: Strömungen korrekt zu simulieren ist schwierig. Was du hier siehst, ist eine einfache Methode, die sich gut für eine flüssige Veranschaulichung eignet. Sie ist aber nicht in allen Details physikalisch korrekt — schon deshalb, weil es zweidimensionale Strömungen in der Wirklichkeit gar nicht gibt.
Reynolds-Zahl
Kármánsche Wirbelstraße
Szenario
Darstellung
Rohr-Format
Bahnen
Einströmgeschwindigkeit
Direkt im Feld rühren — und das Hindernis einfach greifen und verschieben; die Wirbelschleppe folgt live.
Die Frage (Clay Mathematics Institute, 2000): Wenn eine Strömung glatt und ruhig startet — bleibt sie dann für alle Zeiten glatt? Oder kann sie sich von selbst so aufschaukeln, dass die Geschwindigkeit an einer Stelle über alle Grenzen wächst? Niemand weiß es. Für die Antwort ist eine Million Dollar ausgesetzt — egal, in welche Richtung sie ausfällt.
Mathematisch bedeutet das: Gegeben ein glattes, divergenzfreies Anfangsfeld u₀ auf ℝ³ mit endlicher kinetischer Energie. Gesucht: ein Beweis, dass eine glatte Lösung (u, p) für alle t ≥ 0 existiert — oder ein Anfangsfeld, bei dem u in endlicher Zeit unbeschränkt wird (Blow-up).
2D und 3D sind hier zwei verschiedene Dinge: Die Simulation in dieser App rechnet in zwei Dimensionen — sie dient nur der Anschauung, denn in 2D ist die Frage längst beantwortet (alles bleibt glatt). Das Millennium-Problem betrifft den dreidimensionalen Fall; eine echte 3D-Strömungsrechnung wäre viel zu rechenaufwändig für den Browser.
Ansicht
Streckung der Röhre
∂ω/∂t + (u·∇)ω = (ω·∇)u + ν∇²ω
In zwei Dimensionen — wie in der Simulation hier — kann nichts explodieren: Wirbel werden nur herumgetragen und durch Reibung gedämpft, das ist seit 1969 bewiesen. In drei Dimensionen kommt ein neuer Mechanismus dazu: Eine Wirbelröhre kann in die Länge gezogen werden. Sie wird dünner und dreht dabei schneller — wie eine Eiskunstläuferin, die die Arme anlegt. Genau dieses Aufschaukeln kann bislang niemand für alle Zeiten kontrollieren.
Mathematisch bedeutet das: In der Wirbelgleichung oben ist (ω·∇)u die Wirbelstreckung. In 2D steht ω senkrecht auf der Strömungsebene, der Term verschwindet identisch — ‖ω‖∞ bleibt beschränkt, daraus folgt globale Glattheit (Ladyschenskaja 1969). In 3D koppelt der Term das Wachstum von ω an die Gradienten von u. Nach Beale–Kato–Majda tritt Blow-up genau dann ein, wenn das Zeitintegral von ‖ω(·,t)‖∞ divergiert.
Zeitleiste
Warum ist das so schwer? Die Gesamtenergie der Strömung bleibt zwar immer endlich — aber sie verrät nichts darüber, was in immer feineren Wirbeln passiert. Zoomt man auf kleine Skalen, verliert die einzige Größe, die man sicher im Griff hat, ihre Kraft.
Mathematisch bedeutet das: Mit einer Lösung u ist auch uλ(x,t) = λu(λx, λ²t) eine Lösung. Die Energie skaliert dabei wie λ⁻¹ — auf kleinen Skalen (λ → ∞) wird die kontrollierte Norm schwächer: Das Problem ist superkritisch. Genau deshalb versagen in 3D die Abschätzungen, die den 2D-Beweis tragen.
Am 8. September 2026 veröffentlichte OpenAI einen Beweis zu genau dieser Gleichung: 165 Seiten, dazu ein maschinell prüfbares Zertifikat in Lean. Drei Dinge an den Schlagzeilen stimmen nicht.
Nicht das genannte Modell. Viele Meldungen nannten GPT-6 Astra. Der Text stammt laut OpenAI von einem unveröffentlichten internen Modell.
Nicht die erwartete Richtung. Bewiesen wurde Zusammenbruch in endlicher Zeit, und zwar mit glatter äußerer Kraft — Variante (C) der Clay-Problemstellung. Die Varianten ohne Kraft bleiben offen.
Anerkannt ist nichts. Das Clay-Institut prüft. Die Regeln verlangen eine Fachveröffentlichung und danach zwei Jahre ohne Widerspruch. Den Preis beansprucht OpenAI nicht.
Die Idee kam von Menschen. Die Konstruktion stammt von Córdoba und Martínez-Zoroa; Alpöge und Buckmaster brachten sie einen Tag zuvor mit KI-Hilfe auf Euler und Boussinesq. Neu ist der Maßstab: rund 10.000 Agenten, 88 Stunden.
Stand: 11.09.2026.
Navier-Stokes ist F = m·a für Flüssigkeiten. Schalte im Panel „Gleichung" den Term (u·∇)u ab: Die Wirbelstraße verschwindet auf der Stelle. Ein einziger Ausdruck trennt Ordnung von Chaos.
Turbulenz ist kein Zufall. Die Gleichung ist deterministisch; das Chaos entsteht aus dem nichtlinearen Term, nicht aus Rauschen. Und „ungelöst" heißt nicht „nicht rechenbar" — die Technik rechnet damit seit Jahrzehnten.
Numerische Vereinfachung: Gerechnet wird auf einem endlichen Gitter mit semi-lagrangescher Advektion (Stable Fluids). Die dabei entstehende numerische Diffusion wirkt wie zusätzliche Zähigkeit und begrenzt die effektive Reynolds-Zahl — der eingestellte Wert ist nicht der erreichte. Gegen diese Dämpfung arbeitet eine Wirbelverstärkung (vorticity confinement), sonst bliebe das Bild bei hohen Re glatt.
Gitter: 160 × 80
Quellen: Clay Mathematics Institute, „Navier–Stokes Existence and Smoothness" (Millennium-Problem, 2000). · Jos Stam, „Stable Fluids", SIGGRAPH 1999.