Sprachbaum
Über diese App
Räumlicher Stammbaum der indogermanischen Sprachen, bei dem die Höhe die Zeit vom Urindogermanischen bis heute zeigt. Zehn Grundwörter wandern von der rekonstruierten Wurzel zu rund 30 Sprachen; Erste und Zweite Lautverschiebung sowie die Kentum/Satem-Teilung werden in den Formen farbig markiert. Ein Test trennt echte Verwandte von zufällig ähnlichen Wörtern und Lehnwörtern.
Was die indogermanischen Sprachen verbindet
Viele Sprachen Europas und Südasiens gehen auf eine gemeinsame Ursprache zurück, das Urindogermanische. Sie ist nicht überliefert, sondern aus den Tochtersprachen rekonstruiert; rekonstruierte Formen tragen ein Sternchen, etwa *ph₂tḗr für Vater. Verwandtschaft zeigt sich nicht an einzelnen ähnlichen Wörtern, sondern an regelmäßigen Lautentsprechungen. So wird idg. *p im Germanischen zu f (lat. pater, engl. father), idg. *k zu h (lat. centum, engl. hundred). Diese Erste Lautverschiebung trennt das Germanische von den übrigen Zweigen, die Zweite Lautverschiebung das Hochdeutsche vom Niederdeutschen und Englischen (engl. apple, dt. Apfel).
Was die App zeigt
Ein räumlicher Stammbaum: Unten liegt die Wurzel, die Höhe ist die Zeit, oben stehen heutige Sprachen. Elf Zweige sind enthalten, von Germanisch, Italisch und Keltisch über Griechisch, Armenisch und Albanisch bis Indoiranisch, Baltisch, Slawisch, Anatolisch und Tocharisch. Zehn Grundwörter wie Vater, Mutter, zwei, hundert oder Wasser wandern von der rekonstruierten Wurzel zu rund 30 Sprachen. Drei Lautgesetze lassen sich einblenden: Erste und Zweite Lautverschiebung sowie die Kentum/Satem-Teilung, jeweils mit Beispielen und farbig markierten Formen. Ein Test fragt bei Wortpaaren, ob sie erbverwandt, zufällig ähnlich oder entlehnt sind.
Selbst ausprobieren
Wähle „hundert“ und blende Kentum/Satem ein: Lat. centum und sanskr. śatám trennen sich, und das Tocharische im äußersten Osten steht auf der Kentum-Seite. Mit „Vater“ und der Ersten Lautverschiebung siehst du p → f im germanischen Zweig. Im Test lohnt sich das Paar engl. bad und pers. bad: gleicher Klang, gleiche Bedeutung, kein gemeinsamer Ursprung. Die Jahreszahlen an den Knoten sind grobe Richtwerte, der Baum vereinfacht seitliche Einflüsse zwischen Sprachen.
Häufige Fragen
- Was ist das Urindogermanische?
- Das Urindogermanische ist die erschlossene gemeinsame Vorstufe der indogermanischen Sprachen, zu denen etwa Germanisch, Romanisch, Slawisch, Griechisch und Indoiranisch gehören. Es ist nicht schriftlich belegt, sondern wird aus regelmäßigen Entsprechungen der Tochtersprachen rekonstruiert. Gesprochen wurde es wohl im 5. bis 3. Jahrtausend v. Chr.; Zeit und Ort sind umstritten.
- Was ist die Erste Lautverschiebung (Grimmsches Gesetz)?
- Die Erste oder germanische Lautverschiebung ist ein regelmäßiger Lautwandel, durch den sich das Germanische von den anderen indogermanischen Zweigen absetzt. Unter anderem wurden *p, *t, *k zu f, þ, h, *d zu t und *bʰ zu b. Daher entsprechen sich etwa lat. pater und engl. father, lat. decem und engl. ten, lat. cornu und engl. horn.
- Was bedeutet Kentum- und Satem-Sprachen?
- Die Einteilung beruht darauf, wie sich der indogermanische Laut *ḱ entwickelt hat. In Kentum-Sprachen wie Latein, Griechisch oder Germanisch wurde er zu k bzw. h, in Satem-Sprachen wie Sanskrit, Avestisch, Slawisch oder Baltisch zu einem Zischlaut. Das Tocharische im Osten ist eine Kentum-Sprache, die Teilung ist also keine einfache Ost-West-Grenze.
- Wie erkennt man, ob zwei Wörter verwandt sind?
- Entscheidend sind regelmäßige Lautentsprechungen, nicht bloße Ähnlichkeit. Engl. bad und pers. bad klingen gleich und bedeuten dasselbe, haben aber keinen gemeinsamen Ursprung; dt. Fenster ähnelt lat. fenestra, weil es entlehnt wurde. Der Test in der App übt genau diese Unterscheidung zwischen Erbwort, Zufall und Lehnwort.
Fach: Linguistik & Phonetik
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