Lilienthals Gleiter (3D)
Über diese App
Normalsegelapparat von 1894: Schwerpunkt, Profil und Gleitzahl selbst erfliegen, bis zum Absturz von 1896.
Mit Erklärmodus: Ein KI-Tutor führt dich durch die App, zeigt in der Szene, worauf es ankommt, und beantwortet deine Fragen.
Steuern mit dem Körper
Otto Lilienthal machte ab 1891 mindestens 2000 Gleitflüge. Sein Normalsegelapparat, ab 1894 als erstes Flugzeug in Serie gebaut, war ein Hängegleiter mit 6,7 m Spannweite, rund 13–14 m² Fläche und etwa 20 kg Masse, gebaut aus Weidenholz und Baumwollstoff. Ruder gab es nicht: Der Pilot hing mit den Unterarmen im Gestell und verschob seinen Körperschwerpunkt. Nach vorn senkt sich die Nase, der Gleiter wird schneller und steiler. Nach hinten wird er langsamer, bis der Anstellwinkel zu groß wird und die Strömung abreißt. Ein solcher Abriss nach einer Böe führte am 9. August 1896 am Gollenberg zu seinem tödlichen Absturz.
Was die App zeigt
Die App rekonstruiert den Gleiter in 3D aus den belegten Hauptmaßen und lässt ihn vom 15 m hohen Fliegeberg in Lichterfelde oder vom Gollenberg starten. Eine vereinfachte Längsdynamik rechnet Lage, Geschwindigkeit und Nickbewegung aus einer Modellpolare. Pfeile zeigen Auftrieb, Widerstand und Gewicht, die Flugbahn bleibt als Spur stehen. Live-Werte nennen Fahrt, Anstellwinkel, Gleitzahl, Gleitwinkel und Sinken. Die Polare stellt das gewölbte Profil dem ebenen gegenüber, und eine Rekonstruktion spielt den Unfall von 1896 sachlich nach.
Was du ausprobierst
Verschiebe den Schwerpunkt per Regler, Pfeiltasten oder indem du den Piloten ziehst, auch mitten im Flug. In Normallage gleitet der Gleiter im Modell rund 69 m weit, mit einer Gleitzahl von etwa 1 : 4,6. Schiebst du den Schwerpunkt weit nach hinten, reißt die Strömung ab und der Gleiter fällt trotz hoher Nase. Lass gewölbten und ebenen Flügel nebeneinander fliegen, stelle Gegenwind ein oder schalte auf Zeitlupe, um den Abriss genau zu verfolgen.
Häufige Fragen
- Wie steuerte Otto Lilienthal seinen Gleiter?
- Allein durch Verlagern des Körperschwerpunkts. Er hing mit den Unterarmen im Gestell und schwang Beine und Hüfte nach vorn oder hinten. Das verschob den Schwerpunkt gegenüber dem Druckpunkt des Flügels und änderte so Anstellwinkel, Fahrt und Gleitwinkel. Die Leitwerke am Heck waren starr.
- Warum trägt ein gewölbter Flügel mehr als ein ebener?
- Die Wölbung lenkt die Luft stärker nach unten und dreht die Luftkraft nach vorn. Bei gleichem Widerstand entsteht deutlich mehr Auftrieb. Lilienthal maß das 1889 am Rundlauf und beschrieb es in „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“.
- Was ist ein Strömungsabriss?
- Wird der Anstellwinkel zu groß, bei gewölbten Flügeln etwa ab 14°, löst sich die Strömung von der Oberseite. Der Auftrieb bricht ein, der Widerstand steigt, und das Flugzeug sackt durch, obwohl die Nase oben ist. Ohne genug Höhe lässt sich der Flug nicht mehr abfangen.
- Wie genau ist die Simulation in der App?
- Die Hauptmaße des Gleiters sind belegt, die Flugphysik ist eine vereinfachte Längsdynamik mit Modellpolare und angenommener Pilotmasse von 80 kg. Strecken und Geschwindigkeiten sind Modellwerte, keine historischen Flüge. Gelände des Gollenbergs, Böe und Schwerpunktlage beim Unfall sind als Schema gekennzeichnet.
Fach: Physik-Experimente (Deutsches Museum)
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