Die Lüge für einen Dollar
Über diese App
Festinger und Carlsmith (1959) als Szene mit gezeichneten Menschen: eine Stunde Spulen und Pflöcke, das scheinbare Ende, die Bitte gegen 1 $ oder 20 $, die Aussage „Es macht Spaß“ vor einer Eingeweihten und erst dann die Messung. Eine Waage zeigt die Dissonanz, das Laufgewicht die Einstellung; dazu die Originaldaten (Kontrolle −0,45, 20 $ −0,05, 1 $ +1,35) und ein Modell der Bezahlung.
Mit Erklärmodus: Ein KI-Tutor führt dich durch die App, zeigt in der Szene, worauf es ankommt, und beantwortet deine Fragen.
Das Experiment von Festinger und Carlsmith
Leon Festinger und James Carlsmith ließen 1959 Stanford-Studenten eine Stunde lang Spulen sortieren und Pflöcke drehen. Danach hieß es, der Versuch sei vorbei. Erst dann kam die eigentliche Bitte: der nächsten Teilnehmerin, einer Eingeweihten, zu sagen, die Aufgabe habe Spaß gemacht, gegen 1 Dollar oder 20 Dollar. In einer scheinbar unabhängigen Befragung bewertete die Kontrollgruppe die Aufgabe mit −0,45, die 20-Dollar-Gruppe mit −0,05 und die 1-Dollar-Gruppe mit +1,35 auf einer Skala von −5 bis +5. Festinger erklärte das mit kognitiver Dissonanz: Wer ohne ausreichenden Grund gegen die eigene Überzeugung spricht, gleicht die Spannung über die Einstellung aus.
Was die App zeigt
Eine gezeichnete Szene führt durch die fünf Stationen: die öde Stunde, das scheinbare Ende, die Bitte mit der Geldübergabe, die Aussage vor der eingeweihten Studentin und das Interview, in dem erst gemessen wird. Daneben steht eine Waage: links die Aussage, rechts die Bezahlung als Rechtfertigung, dazu ein Laufgewicht für die Einstellung auf der Skala von −5 bis +5. Darunter stehen die Originaldaten als Balken und eine Modellkurve, die an die beiden Messwerte angepasst ist.
Selbst ausprobieren
Gehe Station für Station durch und beobachte, wann die Waage kippt und wann das Laufgewicht wandert. Vergleiche die Kontrollgruppe, 1 Dollar und 20 Dollar. Mit dem Regler wählst du im Modell andere Beträge zwischen 0,5 und 50 Dollar. Ein Schalter blendet die Vorhersage „mehr Geld, mehr Wirkung“ ein, die der Verstärkungslogik folgt und von den Daten widerlegt wird. Das Info-Feld nennt Kritik und neuere Replikationen.
Häufige Fragen
- Was ist kognitive Dissonanz?
- Kognitive Dissonanz ist nach Leon Festinger (1957) die unangenehme Spannung, wenn zwei Gedanken oder ein Gedanke und das eigene Verhalten nicht zusammenpassen. Menschen verringern sie, indem sie eine Seite ändern, etwa ihre Einstellung, oder Rechtfertigungen hinzufügen. Je weniger äußere Gründe es für ein Verhalten gibt, desto stärker die Anpassung.
- Warum fanden die 1-Dollar-Teilnehmer die Aufgabe netter?
- Mit 20 Dollar hatten die Teilnehmer einen ausreichenden Grund für ihre Aussage, die Aufgabe mache Spaß. Mit 1 Dollar fehlte dieser Grund. Die Spannung zwischen „öde“ und „Ich habe Spaß gesagt“ ließ sich am einfachsten auflösen, indem sie die Aufgabe nachträglich positiver bewerteten: +1,35 gegenüber −0,05.
- Gilt das Experiment von Festinger und Carlsmith heute noch?
- Der Befund wurde oft in ähnlicher Form gefunden, ist aber nicht unumstritten. Daryl Bem erklärte ihn 1967 ohne innere Spannung als Selbstwahrnehmung. Eine große Multilab-Replikation mit 4898 Personen (Vaidis u. a., 2024) fand eine Einstellungsänderung nach einem Text gegen die eigene Meinung, aber nicht den erwarteten Unterschied zwischen viel und wenig Wahlfreiheit.
- Was kann ich in dieser App ausprobieren?
- Du gehst die fünf Stationen des Experiments als Szene durch, wechselst zwischen Kontrollgruppe, 1 Dollar und 20 Dollar und siehst, wie die Waage kippt und die Einstellung ausgleicht. Ein Regler zeigt im Modell weitere Beträge, ein Schalter die widerlegte Vorhersage „mehr Geld, mehr Wirkung“.
Fach: Psychologie
Mehr aus Psychologie
- Asch-Linien: Die Mehrheit irrt mit Absicht
- Der Versuchsleiter im Versuch
- Vergessen und Wiederholen
- Wahrnehmungslabor
- Zuschauer-Effekt: Alle warten, keiner hilft
Eine VisuApp von heyprof: interaktiv, kostenlos im Browser, ohne Anmeldung. Was ist eine VisuApp? · Alle Apps